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20th Student Cross Country Worldchampionships with no expectations

Die Vorzeichen für den WM-Lauf im rund 1,5 Autostunden südlich von Rom gelegenen Cassino waren alles andere als gut!

Der gesamte Februar lief trainingstechnisch rückblickend eher durchwachsen. Es fehlte einerseits an Quantität – andererseits teilweise auch an der Qualität. Schuld daran ist in erster Linie die Entwicklung meines Patellaspitzen-Syndroms. Andererseits musste ich in meinem ersten Monat mit konstanten 20+ Arbeitsstunden einsehen, dass mir die Zeit für Regeneration abgeht, oder diese einfach minderwertig ist. Gab es vormals Mittagsschlaf, ausreichend Zeit für Vor- und Nachbereitung der Trainings, wird aktuell das Training irgendwie um den stressigen Alltag herumgebastelt…

In der mit Abstand stressigsten Arbeitswoche rund um die Eröffnung unseres wirklich stylischen RunInc. Stores Anfang März fing ich mir zudem eine ziemlich heftige Erkältung ein. Ein wahrlich traumhafter Zeitpunkt! Drei Tage lief ich gar nicht, verpasst in Summe zwei Kerneinheiten (= Belastungen) und brachte es gerade mal auf rund 40km „wabbeln“…

Exakt eine Woche vor dem Start in Cassino quälte ich mich hustend und verschnupft 22min im Umkreis von 2km um meine Wohnung…

Mit Wochenanfang ging es schon etwas besser, doch das „Abschlusstraining“ am Dienstag vor der WM war alles andere als verheißungsvoll! 6km Quälerei in 3:24’/km und ganze 4x400m in rund 72sec! Zum Vergleich: rund zwei Wochen vor der Cross-EM im Dezember spulte ich wirklich easy 6km in 3:12-14’/km ab und ließ 6x1000m in 2:55’/km folgen; mit Reserven!

Weil man die Zeit jedoch nicht zurückdrehen kann ging es eben mit wirklich schlechtem Gefühl donnerstags gemeinsam mit Andi Vojta, Valentin Pfeil und Rolando per Flieger via Rom nach Cassino.

TeamAustria pre competition
TeamAustria pre competition

Beim Auslaufen in den dunklen Straßen rund ums Hotel fädelte ich zu allem Überfluss noch bei irgendeinem Strauch ein und machte einen schmerzhaften Bauchfleck am Asphalt – unmittelbar neben der Bundesstraße… ach, du lieber März, warum das Ganze eigentlich?!?

Ein kurzes Läufchen Freitagmorgen mit Vali und Roland zeigte dann glücklicherweise, dass der Sturz zumindest beim Laufen ohne Folgen bleiben wird…

Es folgte eine Besichtigung des ersten Benediktiner-Stiftes am Monte Cassino, der 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg wiederrichtet werden musste. Monte Cassino steht sinnbildlich für die Sinnlosigkeit des Krieges und die Symbolwirkung der Ereignisse der ersten Jahreshälfte 1944 reicht bis in die heutige Zeit!

Mit diesen Eindrücken ging es am Nachmittag zur Streckenbesichtigung. Und „TeamAustria“ war sich einig – auch die Streckenlegung hat einige Sinnlosigkeiten zu bieten: gleich drei Mal pro 1.500m Runde sollte es denselben hängenden Grashügel rauf und umgehend wieder runter gehen…

Kaum von der Streckenbesichtigung zurück ging es zur Eröffnungsfeier. Stimmige, aber langwierige Geschichte und als Fahnenträger durfte ich zudem auch brav eine gefühlte Ewigkeit in der Gegend rumstehen.

Am Race-Day selbst fühlte ich mich erstmals seit langem grundsätzlich wieder frisch. Im 75-köpfigen Teilnehmerfeld der Herren wollte ich dennoch von der Taktik her eher defensiv anlaufen. Vorgenommen hätte ich mir, Runde für Runde leicht anzuziehen und mich so nach vorne zu arbeiten.

Am Wettkampftag empfing uns sehr heftiger Wind, die Strecke war teilweise auch tief und die Graspassagen nicht gemäht, wodurch die Bodensicht teilweise wie im Nebel auf der Autobahn gleich Null war! 😉

Um Punkt 12 wurden wird dann auf unsere 10,7km lange Reise geschickt. Zwar schob gleich mal der Wind auf der langen Start/Zielgeraden an, doch durch das tiefe Geläuf musste man hier schon richtig „werken“.

Bereits der erste (gleichzeitig der längste und giftigste!) Anstieg war unfassbar hart – obwohl ich wirklich ziemlich am Ende des Feldes lief. Bei der Wende der ersten Runde war Roland gleichauf mit mir und spätestens jetzt dachte ich mir:

„Was denn hier los?!“

„Hab ich echt nichts drauf?“

„Und was ist mit Roland los? Der Junge läuft stark!“

„Sch**** das war erst Runde nummero une – wie soll das nur enden?“

Im weiteren Verlauf biss ich mich mal an den Deutschen Yannik Arbogast (pB am 10er sub 30min!) ran und versuchte ihm zu folgen. Dass ich Yannik auf der dritten Runde loswerden konnte, machte mir viel Mut!

Der Race-Plan war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon über den Haufen geworfen! Von wegen immer bisschen mehr drücken und schneller werden – vielmehr galt es, irgendwie ins Ziel zu kommen!

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beim Wühlen

Die Hügel, der starke Wind (der noch dazu bergauf am meisten wehte…) und die zwei Erkältungs-Wochen machten das Rennen zu einer Tortur!

Immer wieder sagte ich mir: „es tut hier jedem weh!“ – was mir half, die Anstiege hoch und nicht zurückrollend zu bewältigen.

Runde für Runde kassierte ich dann Leidensgenossen aus aller Herren Länder (19 Nationen waren am Start) ein. Vor allem das Niederringen von Läufern aus Cross-Nationen wie Kanada und Großbritannien motivierte! Doch nach Laufen fühlte sich nach wie vor kaum ein Schritt an…

Nach einer gefühlten Ewigkeit des „Wühlens“ erklang dann irgendwo fernab die Glocke für die letzte Runde! Normalerweise löst das ja ungeahnte Kraftreserven. Doch Anstieg Nummer 19 von 21 zeigte mir, dass diese wohl irgendwo Anfang März mit einem Nießer aus meinem Körper verflogen…

Dennoch konnte ich noch an drei Kontrahenten heranlaufen und diese ein wenig distanzieren. Auf der Gegengerade kämpfte ich voll gegen den Wind, um einem möglichen Zielsprint gegen die Herren aus Algerien zu umgehen.

Nach 36:27min überquerte ich dann abgesichert nach vorne und hinten auf dem 44. Platz als drittbester Österreicher die so lange herbeigesehnte Ziellinie!

Mit Andi als 16., Vali auf Rang 29 und Roland auf Platz 52 erreichten wir gemeinsam im Team den siebten Platz, was zudem das zweitbeste österreichische Resultat im 20jährigen Bestehen bedeutete.

Mit meinem Rennen bin ich unter den Umständen der letzten Wochen, aber auch jenen des gesamten Winters nicht unzufrieden. Gleichzeitig gibt es wieder einiges zum Ärgern. Der Slowake Durec war in Hyères im Dezember noch rund 50sec hinter mir – nun war ich 40sec zurück und auch einige Plätze…

von 11 Nationalteam-Einsätzen bloß 1x nicht zu zweit...
von 11 Nationalteam-Einsätzen bloß 1x nicht zu zweit…

Alles in allem hat der Wettkampf als sowohl körperlich als auch mental harte Belastung seinen Zweck erfüllt und ich kann (hoffentlich) wieder einiges für kommende internationale Einsätze mitnehmen!

Mal sehen, wann ich nach 6x Cross-EM, 2x Studenten-Cross-WM, je 1x Universiade, Team-EM und U23-Länderkampf mein ganzes Dutzend an internationalen Starts im Nationaldress voll machen kann. Am liebsten ja bekanntlich diesen Juli bei der Freiluft-EM in den Niederlanden, aber dafür muss jetzt erst mal wieder richtig gut trainiert werden! Die Vorfreude darauf ist sowieso ungebrochen! 🙂

ÖLV-Bericht

UniSport Austria-Bericht

 

Über Christoph Sander

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