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a little way down the road

War die Erwartungshaltung zu hoch?

Das Wetter mit der drückenden Hitze leistungsmindernd?

Das Anfangstempo zu rasant?

Der Kopf ganz wo anders?

Der Wille in Wien geblieben?

Alles Fragen, auf die ich nach wie vor keinerlei Antworten habe!

Über das Rennen bei der Sparkassen-Gala in Regensburg am Freitag könnte ich ewig schwadronieren – gleichzeitig sagt das Achselzucken nach rund 9:19min durch das heiße Uni-Stadion-Oval auch wieder alles!

Die Vorzeichen waren wie beschrieben gut, die Bedingungen trotz Hitze eigentlich perfekt: windstille, gutes Feld, Zuseher, …

Die ersten 700m waren dann auch genau wie von mir gewünscht, vielleicht eben einen Tick schneller auf der ersten Runde. Zwischen 800-1.000m jedenfalls fühlte es sich auf einmal so an, als ob mir jemand zusätzliche Kilo um meine schweißnassen Haxen geschnallt hätte.

Jedes Hindernis war ein mörderischer Aufwand – dazwischen war es jedoch noch viel schlimmer!

Ich hatte nie das Gefühl, richtig zu laufen! Klingt jetzt komisch, aber jede/r kennt das wohl! Man will eigentlich unbedingt, kann aber einfach nicht.

Das Rennen läuft dann an einem vorbei und nach der 1.500m Durchgangszeit (wohl ca. 4:31min – was für den echten Einstieg mit einer guten zweiten Hälfte ja voll okay gewesen wäre) war der Ofen aus.

Ich stellte innerlich komplett ab, wollte einfach nur mehr irgendwie ins Ziel.

Egal, wer nun von hinten heran- und in weiterer Folge vorbei lief. Ich ließ alle gewähren. Sogar die jüngeren drei Österreicher.

Ich konnte nicht.

Ich wollte nicht.

Das ist alles andere als gut, aber ich konnte im Rennen nichts dagegen tun – und noch viel weniger kann ich nun im Nachhinein etwas tun!

Es ist eben so gelaufen, wie es gelaufen ist: SCHEISSE!

Mit viel Abstand war es in Regensburg wohl eine Kombination aus viel zu viel eigenem Druck, Verunsicherung ob der paar Tage mehr oder minder Ausfall wegen meiner Patella-Spitze, Druck von außen, nicht gewöhntes Wetter und und und…

Ist im Endeffekt auch egal.

Also eigentlich nicht. Aber wie gesagt – im Nachhinein kann man da im Sport eben nicht mehr viel machen…

Es musste schließlich weiter gehen! Drei Tage später war Prag!

Den Samstag genoss ich als nicht aktiver bei der Gala, freute mich vor allem über meine fulminant laufende Jenni (4:12min auf 1.500m !!!) und die vielen netten Gespräche mit Freunden und Kollegen.

 

Sonntag morgen ging es dann per Bus weiter nach Prag. In dem besten Feld, in dem ich je am Start stehen sollte und bei einem von nur drei in diesem Jahr stattfindenen EAA Premium Meetings ging es um Wiedergutmachung.

Klar war es schwer, nach der „Watschen“ in Regensburg positive Gedanken zu finden.

Noch mehr Fragen als sonst kreisten in den vielen Stunden im Hotelzimmer durch den Kopf:

„War Regensburg ein Ausrutscher?“

„Was ist, wenn es wieder nichts wird?“

„Was, wenn …?“ – so begannen letzten Endes die meisten der Fragen.

Egal! Positiv denken! Komm schon!

Die Form müsste ja da sein – Koblenz hat das mehr als nur gezeigt!

Also, die Atmosphäre eines echt super starkbesetzten Meeting genießen und dann sich selbst, und wirklich nur sich selbst zeigen, dass du in den nächsten Jahren auch wirklich zu solchen Veranstaltungen dazu gehörst!

Ins Stadion ging es relativ früh – Atmosphäre aufsaugen und endlich raus aus dem Hotel it Ostblock-Charme!

Rund 15-18° und heftiger Wind – ganz anders als in Regensburg. Alles andere als optimal.

Egal, heute kannst du es Dir selbst beweisen!

Das Rennen entwickelte sich dann wie erwartet – mit mir als „Stock-Letztem“ nach nur wenigen Metern.

Egal. Es war nicht „Christoph mit oder gegen den Rest“!

Es hieß „ich gegen mich“ – „ich gegen innere Zweifel“!

Die erste Runde noch etwas flott, dann fand ich trotz wechselndem, sehr stark aufkommenden Wind meinen Rhythmus. Die Steeple passten, die Wassergräben auch!

Stimmung im Stadion war gut, meine trotz des einsamen Laufens auch.

Wie in Koblenz sagte ich mir: „weiter, immer weiter“.

Positiv bleiben.

Gegen Ende des Rennens lief ich schließlich auf einen Tschechen und auf der letzten Runde einen Schweden auf. Nach dem letzten Wassergraben musste ich mich beiden dann jedoch doch beugen und wurde Letzter.

Die Zeit blieb bei 9:02min stehen. Wieder nicht einmal unter der 9-Minuten-Marke.

Aber immerhin meine fünft schnellste Steeple-Zeit aller Zeiten und ganz alleine bei Wind erzielt.

Am Montag Abend war es zwar keine Zufriedenheit, die in mir aufkam, aber immerhin so etwas wie Stolz.

Stolz, dass ich nicht Sonntag die Heimreise nach Wien antrat, sondern mich mit „voller Hose“ und ohne einen einzigen Krümel Selbstvertrauen dem Rennen in Prag, dem wohl härtesten Rennen, welches ich jemals GEGEN mich selbst laufen musste, gestellt habe.

Klar, 9:02min sind weit weg von dem, was ich mir vorstelle.

Weit weg von dem, was ich schon einmal gelaufen bin.

Und wohl auch weit weg von dem, was ich eigentlich aktuell zu Laufen im Stande bin oder sein sollte.

Aber all das hilft nichts.

Ich habe jetzt zwei Rennen gehabt, wo ich eines samt sämtlicher einhergehender Erfahrungen in der Toilette runterspülen kann, und eines, das total strange war, aber irgendwie wohl weder schlecht noch gut war.

Nach vielen Gesprächen, kurzfristig wahnsinnig großer Traurigkeit und auch einigen Tagen Abstand ist der Fokus nun wieder nach vorne gerichtet!

Immerhin geht es in rund zwei Wochen zu meinem absoluten Karriere-Höhepunkt zur Universiade nach Gwangju!

Und dafür, gilt es sich jetzt vorzubereiten! Dabei werde ich viel Ruhe bewahren (müssen), und wie in Prag einfach positiv bleiben!

Die Form wird dann Anfang Juli schon da sein – weil einfach wieder weg, kann sie doch auch nicht sein, oder?

Wir werden sehen!

Danke jedenfalls all jenen, die mir in den Tagen gut zugeredet haben und Entschuldigung all jenen, die vergeblich vor den Bildschirmen saßen und auf eine tolle neue Bestleistung gewartet haben – oder zumindest eine ansprechende Leistung meinerseits. Es möge Euch ein Trost sein, dass ich im Grunde genommen selbst immer noch nicht weiß, woran es lag… 😉

In diesem Sinne, auf bald meine liebe LeserInnen- und Fan-Gemeinde!

Über Christoph Sander

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Es ist nun wieder da - dieses ganz eigene Kribbeln, das in einem empor zu steigen scheint, wenn der Inhalt der geschriebenen Zeilen des Trainingsplans langsam im Hirn ankommt und dir der Gedanke einschießt: "Ui, wie soll dass denn gehen"

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