Startnummer X-EM 2015
Startnummer X-EM 2015

Cross-EM #5

Mit Rang 61 unter 75 gestarteten Männern im Rennen über gut 10.000m platzierte ich mich so weit vorne wie noch bei keinem meiner bisherigen vier Cross-EM-Auftritte. Das ausgelobte Ziel einer Platzierung im zweiten Drittel verfehlte ich jedoch leider deutlich und auch sonst war mein Rennen in erster Linie mega schwer und verdammt hart. Gekämpft habe ich, gelaufen bin ich was an diesem sonnigen und wolkenlosen Dezembersonntag in mir war. Und nüchtern betrachtet entspricht das Resultat auch dem IST-Zustand meines Leistungsvermögens im internationalen Vergleich.

Aber alles der Reihe nach…

Am Freitag Vormittag flog ich gemeinsam mit dem in Summe neunköpfigen ÖLV-Team nach Sofia, von wo aus wir nach einer rund 80minütige Busfahrt in die Berge im Winterskiort Borovets, rund 10km südlich von Samokov, ankamen.

Erstmals bewohnten alle teilnehmenden Nationen dasselbe Hotel, was angesichts von rund 480 AthletInnen plus BetreuerInnen eine ganz schön große Anzahl an TeilnehmerInnen bedeutete.

Schon die Fahrt ins Rila-Gebirge ließ ein wenig auf die am Wettkampfort vorherrschenden Bedingungen schließen, präsentierten sich die Wälder entlang der Landstraße tiefverschneit und die Umgebung um Borovets größtenteils unbewohnt. In dem kleinen – zumindest für bulgarische Verhältnisse – Nobelskiort war ob des „Season-Openings“ zu aller Überraschung relativ viel los und man konnte in etwa erahnen, was hier in den Ferien los sein kann…

Für uns sieben AthletInnen, neben mir und Jenni waren noch Christian Steinhammer und Andi Vojta im Männerbewerb sowie Niki Franzmair, Hans-Peter Innerhofer und Luca Sinn in der U20 mit dabei, ging es zum auslockernden Lauf entlang der verschneiten Straße in Richtung Cross-Strecke.

Dort angekommen bot sich dann bei meinem fünften Antreten erstmals das, was jedem Läufer beim Gedanken an Crosslauf zu aller erst in den Sinn kommt: Gatsch, Schlamm, unwegsames Gelände gepaart mit ständigem Bergauf/Bergab! Uns genügte die „Begehung“ der Startgeraden, auf der gerade der Schnee ob der angenehm warmen Bergsonne und damit verbundenen rund 8° Celsius vom sonntäglichen Geläuf wegschmolz. Spätestens jetzt war uns allen klar, dass am Sonntag ein hartes Stück Arbeit auf uns warten wird!

Zurück im Hotel ging’s ab zum Relaxen in den Whirlpool und relativ bald nach dem Essen ins Bett, um die nötige Frische zu holen. 😉

Bei unserem zweiten Eintreffen zur offiziellen Streckenbesichtigung am Samstag Vormittag präsentierte sich der EM-Austragungsort leicht verändert: die Wege zur Strecke waren mittels Steinen im Gegensatz zum Vortag wirklich begehbar und nach der ersten Runde auf der Strecke wurde klar, dass die Verantwortlichen mittels Kieß und Sand versuchten, die Strecke weitgehend zu „entschärfen“. Denn überall, wo die Sonne auf die Strecke schien, wurde der Boden immer tiefer, während an den schattigen Passagen im besten Fall der Schneeboden kompakt, hart und relativ eben war – an den schlechteren Passagen jedoch tiefe gefroren Furchen ein normales Laufen fast unmöglich machten. Wir alle machten gute Miene zum bösen Spiel, sprachen von einem „echten Crosslauf“ und dass das Geläuf wohl vielen Läufern ob der Unebenheiten gehörige Probleme bereiten wird – uns selbst ausgeschlossen! 😀

Ich selbst fühlte mich nach 5×30’’ auf der Strecke richtig gut und voller Zuversicht! Ich freute mich richtig auf das Rennen und gemeinsam mit Jenni und dem Team verbrachte ich nachmittags entspannte Stunden, ehe dann nach Austeilen der Startnummern vor dem Abendessen fast schon traditionellerweise die erste Nervosität aufkam!

Die Nacht verlief trotz „Ski-Openings“ unmittelbar vor und in unserem Hotel sehr ruhig und Tags darauf ging es ausgeruht ans Aktivieren.

Um Punkt 12:00 Uhr hatte dann das lange Warten, Ausruhen und Nichtstun ein Ende und gemeinsam mit Andi und Christian ging es via Shuttle zur Strecke.

Das Wetter war mit knapp 10 Grad, Sonnenschein und blauem Himmel optimal und alsbald ging es dann auch schon zum Aufwärmen. Einlaufen, Gymnastik und die obligaten Laufschulübungen gaben mir ein gutes Gefühl und ich fühlte mich mehr als nur bereit. Bevor es dann in den Callroom ging sah ich noch Jenni sehr gut platziert in ihre letzte Runde gehen, was zusätzlich motivierte!

Im Callroom dann der übliche Stress und viel Nervosität bei allen Beteiligten – für mich nicht neu, aber nach dem verkorksten Jahr ohne anderes Großevent eine wichtige Erfahrung.

Rund 15 Minuten vor dem Start durften wir dann noch für letzte Steigerungsläufe auf die Strecke. Diese war im Gegensatz zum Vortag bereits sehr aufgeweicht und unfassbar tief! Egal, für alle gleich und laut Informationen unserer U20-Boys war es bergauf sehr gut zu laufen weil fester Boden!

Jetzt ging es dann auch gleich los. Alle 75 Läufer nahmen ihre Plätze in den Boxen ein, wir klatschten noch gegenseitig ab und dann ab die Post! Die ersten 1-2km sind immer unheimlich schnell und weitaus schneller als Race-Pace.

Hinter Andi komme ich gut weg, finde eine halbwegs gute Position für die zwei kleineren Einführungsrunden. Gatsch spritzt durch die Luft, die Ellbogen werden in den Kurven zwecks Manövrierfähigkeit auch nicht gerade selten eingesetzt. Auf einer der beiden Runden erblicke ich dann Andi kurz vor mir stehend. Er versuchte mehr oder minder verzweifelt seinen Schuh, welcher ihm herunter getreten wurde, rasch wieder anzuziehen – was jedoch nicht gelingen sollte.

Als es dann auf die erste von acht großen Runden geht spüre ich bereits das flotte Anfangstempo. Meine Position ist jedoch noch akzeptabel und ich halte bergab das Ende des Feldes mit etlichen Läufern hinter mir.

Vom tiefsten und total vereisten Punkt der Strecke ging es dann bis zum Start teilweise krass bergauf – und entgegen den Schilderungen war der Boden alles andere als gut zu belaufen. Völlig aufgeweicht und brutal tief präsentierte sich das Geläuf dort, wo die Sonne schien – in den schattigen Passagen war der Boden immerhin noch relativ kompakt. Leider überwieg aber auf der Runde der tiefe, matschige Boden…

Auf der zweiten Runde verlor ich etwas den Anschluss, überholte aber Andi, der mittlerweile seinen rechten Schuh in der Hand führte und mit Socken unterwegs war!

Auch wenn zu dem Moment nach vorne absolut nichts ging, motivierte es mich irgendwie doch – ungeachtet des mitspielenden Pechs – vor Andreas zu sein! Ich versuchte nun nach der hektischen Anfangsphase in den Rhythmus zu kommen. Bergauf musste ich jedoch so viel „werken“, dass ich ihn leider nie finden sollte…

Auf der dritten oder vierten Runde schloss Andi, nun wieder mit seinem Schuh auf dem rechten Fuß, zu mir auf und überholte mich beim Bergaufstück. Ich versuchte mitzugehen, war aber zu schwach und musste reißen. Ab diesem Zeitpunkt war das Rennen dann nur mehr Kampf und Krampf!

Bergauf kämpfte ich mich immer wieder an vor mir laufende Kontrahenten heran, bergab musste ich sie jedoch meist ziehen lassen. Einerseits, weil mir das Hochlaufen so unfassbar viele Körner gekostet hat, andererseits wohl auch, weil ich auf dem schwierigen Geläuf bergab nicht die vollen 100% riskieren konnte (wollte?).

Besonders bitter war dann noch in der letzten Runde, als ich noch einmal einen Läufer knapp vor dem Ziel passieren lassen musste und nichts mehr entgegenzusetzen hatte!

Am Ende wurde es eben nicht der auch seitens der Verbandsverantwortlichen erhoffte Platz im zweiten Drittel beziehungsweise unter den ersten 50 Athleten, sondern der 61. Rang. Für mich nicht die mega Enttäuschung, aber dennoch kann ich mit der Platzierung nicht zufrieden sein!

Jedoch darf man auch nicht vergessen, wie es mir vor ziemlich genau drei Monaten ging und dass ich zum damaligen Zeitpunkt schon froh war, überhaupt 10 Kilometer am Stück laufen zu können! Auch die Operation samt Pause liegt noch nicht so lange zurück wie es vielleicht auch ob der vielen kleineren und größeren Wettkämpfe den Anschein hat. Bis zum Jahresschluss lass ich die fehlenden Kilometer, die geringeren Trainingsumfänge und Intensitäten noch als kleine Ausrede gelten, spätestens ab 2015 wird dann aber nicht mehr nach hinten geblickt sondern nur mehr nach vorne!

Nach dem Rennen gab es dann noch ein paar spaßige Stunden mit dem Team und Montag früh ein Auslockerungsläufchen, ehe es dann nach Streichung des Fluges erst spät am Montagabend zurück nach Wien ging.

Mein letzter Wettkampf wird wie schon in den vergangenen Jahren der internationale Silvesterlauf in Peuerbach sein, ehe es dann im neuen Jahr gleich mit 14 Tagen Trainingslager in Portugal weitergehen wird!

Über Christoph Sander

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Es ist nun wieder da - dieses ganz eigene Kribbeln, das in einem empor zu steigen scheint, wenn der Inhalt der geschriebenen Zeilen des Trainingsplans langsam im Hirn ankommt und dir der Gedanke einschießt: "Ui, wie soll dass denn gehen"

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