Startbib Tilburg

Cross-EM-Quali in Tilburg

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, in denen ich jemals in Darmstadt um mein Ticket für die kontinentalen Titelkämpfe kämpfen musste, sollte es dieses Mal mehr als eine Liga höher gehen. Der Crosslauf in Tilburg ist qualitativ wie quantitativ als EAA-Cross auf einem ganz anderen Level! Mehr als 80 Athleten aus 15 Nationen sollten mit mir gestern um 13:45 Ortszeit auf die 10km lange Crossstrecke gehen.

Die Auftritte in Wien beim Sie & Er Lauf sowie beim Olympia-Alm-Cross vergangenen Sonntag waren beide nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Auch im Training lief es die letzten Wochen nicht immer nach Wunsch. Bei manchen Belastungen musste ich reduzieren, auch der Umfang war zwar im letzten sechswöchigen Mesozyklus endlich mal wieder dreistellig – aber dennoch war meine Zuversicht für Tilburg nicht gerade sehr groß.

Im Laufe der samstäglichen Anreise gemeinsam mit Trainer-Papa Karl, meiner geliebten Jenni und Andi Vojta wurde die Zuversicht aber langsam größer und – viel wichtiger – auch die Vorfreude wuchs mit der Zeit. Es war einfach wieder schön, nach ein paar Monaten Wartezeit wieder zu einem internationalen Wettkampf zu reisen. Das ganze Rundherum ist bei Auslandsstarts einfach ganz anders – man nächtigt und speist vorzüglich, trifft einige bekannte Gesichter und wird von allen Seiten sehr als Athlet wertgeschätzt.

Mein Aktivieren am Samstag Abend nach rund sechs stündiger Reise mit Zug, Flieger, wieder Zug und Bus war dann ob der vorgefundenen Ortschaft in der holländischen Dunkelheit etwas abenteuerlich: jedes Haus glich dem anderen Backsteinhäuschen mit vor der Tür befindlichen Schrebergarten – ein Verlaufen war somit vorprogrammiert, aber brachte immerhin den ersten Adrenalinschub des Wochenendes 😉

mitten im Feld
mitten im Feld

Am Wettkampftag kam dann bereits beim Aktivieren mit Andi so etwas wie EM-Feeling auf. Frühstück mit meinen Lieben, Sachen packen, alles genau herrichten – herrlich! Sollte es nichts mit der Entsendung werden, wäre zumindest der Auftritt in Tilburg schon EM-tauglich!

EM-tauglich war auch die Strecke durch eine größere, recht flache Parkanlage: langgezogene Geraden, auf die meist sehr anspruchsvolle, enge und kurvige Abschnitte folgten. Es ging ein Mal rasant entlang eines kleinen Teichs, dann durch rund 80m Sand oder über kleine „Kamelbuckel“ à la Abfahrtspiste in Wengen! Auch drei recht hohe – und mit Fortdauer immer höher werdende Baumstämme dicht hintereinander hatten es in sich.

Das bereits große Feld hatte dazu auch noch einiges an Klasse zu bieten: Richard Ringer, Jan-Peter Hannes, Khalid Choukoud etc. Auch viele Herren, die ich auf diversen Trainingslagern kennenlernen durfte standen am Start. Ich wollte mich prinzipiell an den besten Schweizern und einigen bekannten Deutschen orientierten.

Den Start habe ich klassisch verpennt, verkackt oder einfach verschlafen! 😀

Nach der Einführungsrunde war ich weit hinten im Feld und auch nach der ersten von fünf großen Runden lag ich wohl nur um den 50. Platz! Ab dem Zeitpunkt jedoch fühlte ich mich richtig gut, die technischen Passagen gefielen mir und auf den Geraden konnte ich gut Druck machen! Bei Hälfte des Rennens lag ich bereits um den 30. Platz und ließ sonst an sich starke Crossläufer wie Tom Gröschel stehen!

Dank Eckhardt Sperlich, Trainer von Richard Ringer (Ende vierter!) und Martin Sperlich, den ich auf der zweiten Runde stehen ließ, wusste ich stets Bescheid um meine Position. Auch Karl versorgte mich Infos über meinen Rückstand auf Andi – der lange wirklich sehr gering bei etwa zwanzig bis dreißig Sekunden lag. Auf den langen Geraden konnte ich sein neon-gelbes „Nike-Heidl“ auch gut vor mir erkennen! 😉

Auf der vierten Runde hatte ich dann etwas Probleme und musste schwer arbeiten, mein angeschlagenes Tempo zu halten. Hier halfen mir die Anfeuerungen der hunderten Zuschauer in Kombination mit den Infos von Eckhardt und Karl!

Auf der letzten Runde versuchte ich dann noch einmal alles aus mir rauszuholen – leider war nicht mehr viel im Tank geblieben! 🙂

Ich lief zwar noch auf eine 3er-Gruppe auf, konnte aber keinen Läufer mehr überholen und musste ordentlich „werken“, um nicht noch von hinten wen an mir vorbei zu lassen!

Letzten Endes finishte ich als 22. von 79 gewerteten Läufern in 31:45min für die 10km lange Strecke! Auf Sieger Choukoud fehlten keine zwei Minuten – bei der letzten Cross-EM waren es derer mehr als drei! Auf Andi (am Ende zehnter!) verlor ich 44 Sekunden und damit so wenig wie jemals zuvor über eine so lange Crossstrecke! Außer Richard Ringer war kein Deutscher vor mir, auch aus der Schweiz war niemand schneller als ich – obwohl da etliche deutlich schnellere Zeiten auf der Bahn zu Buche stehen haben!

Mit meinem Rennen bin ich demnach sehr zufrieden und persönlich glaube ich, dass ich das beste Cross-Rennen meiner Laufkarriere gezeigt habe! Klar, mit etwas Abstand ärgern mich der miese Start sowie die Tatsache, die drei Konkurrenten unmittelbar vor mir nicht mehr geholt zu haben. Aber angesichts meiner Leistung fällt das wohl unter die Rubrik „Jammern auf höherem Niveau“ und zeigt einfach, das für weitere Rennen noch Potential vorhanden ist!

Angesichts der schwammigen bis nicht vorhandenen Richtlinien seitens des Verbandes bezüglich der Entsendungsrichtlinien für die Cross-EM in Samokov (siehe Gegengerade!) heißt es jetzt jedoch noch einige Tage wohl Warten, Zittern und Bangen, ob ich mich in drei Wochen zum fünften Mal der europäischen Spitze im Crosslauf stellen und mein Heimatland dieses Jahr doch noch international vertreten darf! We will see…

meine erfolgreichen Lieben: Karli & Jenni
meine erfolgreichen Lieben: Karli & Jenni

 

Sicher sehen werden wir in Bulgarien meine flotte Jenni, die heute nach „ähnlich verhaltenem Beginn“ wie ich fast das gesamte Feld zersägt hat und am Ende sogar zweite wurde! Einfach nur absurd und total verrückt – vor allem wenn man sich ansieht, was die hinter ihr Platzierten so für Zeiten auf Bahn und Straße stehen haben! Wie immer kann ich vor meiner großen Liebe nur den Hut ziehen!

 

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Es ist nun wieder da - dieses ganz eigene Kribbeln, das in einem empor zu steigen scheint, wenn der Inhalt der geschriebenen Zeilen des Trainingsplans langsam im Hirn ankommt und dir der Gedanke einschießt: "Ui, wie soll dass denn gehen"

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