Hi-Balken am LAZ

Viel Lärm um Nichts

Schon die Anreise nach Dessau brachte eine Enttäuschung mit sich, die den Grund des Rennens von Beginn an ad absurdum führen sollte. Ursprünglich hat man seitens des Verbandes sowohl mir als auch meinem Dad verischert, dass der Startplatz für die Team-EM in Riga noch offen ist und nach dem „Anhalt 2014″ in Dessau, wo Christian und ich erneut in einem Rennen starten werden, über die Entsendung entschieden wird. Tja, dem war dann wohl doch nicht so! Immerhin saß ich auf das Boarding wartend neben Christian, als dieser via Telefon die letzten Details für seine Reise zur Team-EM ausmachte. Ziemlich starke Aktion der Funktionäre und ein echter Motivationsschub…

Na gut, eigentlich wollte ich ja eh für mich laufen und meine Bestzeit attackieren um einen weitaus größeren Traum als jenen der Team-EM zu realisieren. Daraus wurde aber einfach nichts. Meine Beine fühlten sich vor dem Start locker an, auch mein Fuß machte dieses Mal keine großen Faxen. Die erste Runde mit 67-68“ vielleicht noch ein bisschen zu schnell, ging ab 500m gar nichts mehr. Das gesamte Feld überholte mich, mein Wille war nach 1000m gebrochen. So lief ich vor der für mich unfassbaren Kulisse von rund 5.000 Zusehern nur mehr irgendwie durch. Auch die vor mit einbrechenden Läufer vermochte ich nicht mehr einzukassieren. Somit blieb vom großartigen Meeting mit tollem Publikum und spitzen Feld nicht mehr übrig als eine Zeit, die ich schon vor Jahren anbieten konnte…

Nach einer kurzen Nacht ging es für mich dann via Brüssel und Sevilla zu Jenni nach Huelva, wo sie nach der Nicht-Anerkennung ihres Limits aus Koblenz noch einmal 5000m lief. Bei 31 Grad im Schatten um 21:00 Uhr Ortszeit lief sie ein für mich tolles Rennen, ging mutig im Feld mit und war bis 3500m auf Bestzeit, bis 4500m auch noch auf Limitkurs. Am Ende sollten lächerliche 50 Hunderstel auf die Normerfüllung für Zürich fehlen, oder noch plakativer ausgedrückt: 2,5m auf 5.000m! Somit waren wir beide eher unglücklich über unsere Auftritte, zwei Tage Kopfabschalten in Spanien halfen jedoch, den Blick wieder nach vorne zu richten.

Die auf Dessau folgenden beiden Wochen konnte ich dann nahezu ohne Einschränkung trainieren – auf einmal sogar auch wieder locker über 100 Wochenkilometer mit ordentlich Qualität laufen! Dennoch merkte ich schon ein wenig bei längeren Einheiten, dass mir ein wenig die Grundlage abhanden gekommen war…

Mein nächster Wettkampf sollten die 1500m bei den Wiener Landesmeisterschaften sein. Nach einem für mich extrem guten Mittelstreckentraining am Montag davor und einem total verkorkstem  Training mit Andi und Stephan am Donnerstag wollte ich Sonntags sehen, was ich kann. Nachdem Andi aufgrund „anderer Umstände“ trotz seines Antretens nicht für schnelle Pace sorgen wollte, sprang dankenswerterweise Stephan ein und machte mir 900m Tempo. Die ersten 500m fühlten sich total easy an, nach 700m ging aber auf einmal nicht mehr viel. 800m noch in 2:05-06 durch, konnte ich das Tempo nach Stephans Aussteigen gar nicht mehr halten. Andi klebte mir dankenswerterweise ständig im Nacken, um dann 350m to go voll zu attackieren. Für den Kopf eine ganz tolle Sache…. da die Zwischenzeiten nicht mehr passten lief ich das Rennen auf dem zweiten Platz nur mehr zu Ende – die 4:08min waren bedeutungslos!

Nach den Landesmeisterschaften und endlich in den etwas stressfreieren Uniferien begannen die Probleme mit dem Sprunggelenk erneut, doch nun waren es keine zwei Wochen mehr zu den Hindernisstaatsmeisterschaften und auch mein letztes internationales Hindernisrennen im schwedischen Karlstad war nur mehr gut zwei Wochen entfernt. Somit hieß es einmal mehr die Zähne zusammenzubeißen und Kräfte zu mobilisieren.

Vom Training her war es täglich bergauf und bergab. Auf eines meiner besten Steepletrainings überhaupt folgte eines meiner schlimmsten Trainings. Statt 3x1200m standen am Ende 800-800-400mHi im Trainingstagebuch. Und größer werdende Schmerzen…

Jenni & moi nach dem Limit-Lauf
Jenni & moi nach dem Limit-Lauf

Für einen Extraschub Motivation sorgte dann tagsdarauf am 5. Juli jedoch meine liebe Jenni. Mit ihrem tollem und mutigem Auftritt bei den Süddeutschen Meisterschaften in Regensburg und der Endzeit von 15:43,31min sicherte sie sich im dritten Anlauf endlich ihr Ticket für Zürich – und ich durfte live dabei sein! Am Ende ist es zwar wieder ein wenig stressig geworden mit den paar Sekündchen, aber danach wird Mitte August dann keiner mehr fragen, wenn Jenni im Zürcher Letzigrundstadion am Start stehen wird! 🙂

Für mich sollte es nun auch langsam ernst werden. Die Tage bis zu meiner „Mission Titelverteidigung“ verflogen schnell und die Anspannung auch in Hinblick auf den „Folksam Grand Prix“ in Karlstad stieg täglich. Am Montag letzter Woche folgte dann jedoch ein für meinen derzeitigen körperlichen Zustand sehr gutes Abschlusstraining inklusiven den schnellsten 1000m über die Böcke, die ich je gelaufen bin.

Somit sollte doch alles für die Staats in Ried und das Meeting in Karlstad passen, oder? Wir werden sehen…

Über Christoph Sander

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track is back

Es ist nun wieder da - dieses ganz eigene Kribbeln, das in einem empor zu steigen scheint, wenn der Inhalt der geschriebenen Zeilen des Trainingsplans langsam im Hirn ankommt und dir der Gedanke einschießt: "Ui, wie soll dass denn gehen"

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